Kleine Wasserkraftporträts aus der Region und der Heimat
Wasserkraftanlage Reckmühle in Allershausen
Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Unser Wasserkraftwerk liegt an der Glonn zwischen Allershausen und Hohenkammer. Es wird von zwei Francisturbinen betrieben, die zusammen bis zu 69 kW leisten. Nach einer umfassenden Modernisierung verfügt die Anlage über einen hohen Automatisierungsgrad, neue Generatoren, ein Getriebe sowie fischschonende Rechen und seit 2013 auch über eine natürliche Fischaufstiegshilfe.
Das Kraftwerk versorgt unser Sägewerk mit sauberem Strom für Elektrosägen, Fahrzeuge und Geräte. Überschüsse speisen wir ins Netz ein – damit werden über 40 benachbarte Haushalte versorgt. Neben der Energiegewinnung bietet die Anlage auch einen ökologischen Lebensraum für Fische, Vögel und viele andere Tiere.
Wenn ich es in drei Worten beschreiben müsste: langlebig, nachhaltig, architektonisch reizvoll.
· Könnten Sie etwas über die Geschichte Ihres Kraftwerks erzählen?
Unser Kraftwerk hat eine sehr lange Geschichte, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht. Die Reckmühle selbst wurde bereits im Jahr 843 erstmals urkundlich erwähnt und dient unserer Familie seit 1817 als Mühlenstandort. Mein Ur-ur-ur-Großvater, einer der jüngeren Söhne einer Müllerfamilie, wollte unbedingt eine eigene Mühle besitzen. Er tauschte deshalb sein Wirtshaus gegen die Reckmühle ein, die damals allerdings durch häufige Hochwasser stark beschädigt war – deshalb fiel die „Draufgabe“ für den Tausch eher gering aus.
1890 wurde dann ein neues Werk eingerichtet. Dieses bestand aus einem hölzernen Wasserrad nach dem System Zuppinger (unterschlächtig), einem stehenden Mühlwerk zum Antrieb von zwei Mahlgängen sowie einer Königswelle, die die obere Transmission antrieb. Die Bezeichnung „neues Werk“ lässt vermuten, dass es auch schon zuvor eine Art Kraftwerk oder technische Anlage zur Energiegewinnung gegeben haben muss.
Damit steht unser heutiges Kraftwerk in einer langen Tradition, die die Mühlentechnik über viele Generationen hinweg geprägt hat.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Für uns war die Renovierung der Turbine im Jahr 2015 ein ganz wichtiger Schritt. Gemeinsam mit der Firma Lukas-Anlagenbau haben wir die alte Turbine ausgebaut, gründlich reinigen, reparieren und wieder instand setzen lassen. Mit dem neuen Regler und Generator konnten wir die Stromerzeugung deutlich effizienter und zuverlässiger machen. Ein besonderes Highlight war für uns auch der Einbau eines neuen Rechens mit automatischem Rechenreiniger durch die Firma Sextl – dadurch entfiel die körperlich sehr anstrengende und teilweise gefährliche Handarbeit, die früher viel Zeit und Kraft gekostet hat.
Aber nicht nur die Technik lag uns am Herzen, sondern auch die Natur. Schon 2013 haben wir eine natürliche Fischaufstiegshilfe errichtet, und 2017 folgte dann die Installation fischschonender Rechen. Das war uns persönlich sehr wichtig, denn wir erleben jeden Tag, wie viele Tiere hier ihren Lebensraum haben – von Forellen und Äschen über Enten, Schwäne und Gänse bis hin zum Eisvogel und sogar dem Rotmilan. Zu sehen, dass unser Kraftwerk nicht nur Energie liefert, sondern auch Lebensraum schützt, erfüllt uns mit Freude und Stolz.
Wir verbinden mit den Ertüchtigungsmaßnahmen daher nicht nur eine Modernisierung unserer Anlage, sondern auch das gute Gefühl, Tradition, Technik und Natur in Einklang gebracht zu haben.
· Welche Bedeutung hat die Wasserkraft und die Anlage für Sie persönlich?
Für mich bedeutet Wasserkraft weit mehr als nur Energiegewinnung – sie ist ein Geschenk der Natur, ein beständiger, nie versiegender Fluss von Energie und Leben. Durch unsere Familienhistorie ist sie tief in meinem Leben verankert. Mit dem Kraftwerk verbinde ich nicht nur Technik, sondern auch viele persönliche Erinnerungen. Besonders die Ruhe und Idylle an unserer Wehranlage, der Weg am Mühlbach entlang vorbei an Schwänen, Gänsen, Enten und sogar Eisvogel und Rotmilan zeigen mir immer wieder, wie eng Natur und Technik hier Hand in Hand gehen.
Stolz bin ich vor allem auf die Wiederinstandsetzung unserer kleinen Turbine nach fast 40 Jahren Stillstand im Jahr 2017. Mit neuer Steuerung, fischschonenden Rechen und moderner Technik konnten wir das Kraftwerk nicht nur effizienter, sondern auch ökologisch nachhaltiger machen.
Im Alltag versorgt uns die Anlage mit Strom für den Sägebetrieb sowie zum Laden von E-Auto, E-Bike und E-Stapler. Natürlich gibt es Herausforderungen, wie die Hochwasser oder früher die mühsame Reinigung der Rechenanlage. Aber all das gehört dazu und verstärkt nur die persönliche Bindung. Für mich ist die Wasserkraft nicht nur ein Stück Familientradition, sondern auch ein Ort, an dem Technik, Natur und Geschichte zusammenfließen.
Christoph Quirin Müller
August 2025
Woffendorfer Mühle an der Weismain – Altenkunstadt
Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Die Wasserkraftanlage „Woffendorfer Mühle“ liegt an dem kleinen Fluss Weismain – nicht zu verwechseln mit dem weißen Main – der entspringt im Fichtelgebirge, oberhalb von Bischofsgrün. Die Weismain, die die Woffendorfer Mühle antreibt, entspringt dagegen in Kleinziegenfeld, dem Tor zur „Fränkischen Schweiz“.
· Könnten Sie etwas über die Geschichte Ihres Kraftwerks erzählen?
Erstmalig wurde die Mühle um 1877 erwähnt, sie diente damals als Schneidmühle. Später erfolgte der Umbau zu einer Schuhfabrik. Die Wasserkraft diente dann dazu, diverse Maschinen per Transmission anzutreiben. Seit Ende der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts, wurde das Anwesen durch uns (Firma Limmer) erworben, inklusive des Wasserrechts, das auf dem Grundstück lag und im Grundbuch seit 1877 eingetragen ist.
Schon bei Erwerb des Anwesens war die Wasserkraftanlage nur noch sporadisch in Betrieb. 2001 fasste die Familie den Entschluss, die Anlage von Grund auf zu sanieren, Mit Hilfe der Firma HSC in Coburg wurden die Planungen erstellt. Die alte Francis Turbine wurde generalüberholt, die Wehranlage abgerissen und neu erstellt. Das Herzstück der Anlage bildet neben der Turbine eine vollautomatische, elektronische, speicherprogrammierbare Steuerung. Das Steuer und Regelprogramm das die gesamte Anlage verwaltet. Ein Siemens Generator (22,5 KW) sowie das Getriebe vervollständigen die Technik. Die Anlage läuft seit ca. 2004 und liefert 60-80.000 KWh Strom jährlich.
· Welche Bedeutung hat die Wasserkraft und die Anlage für Sie persönlich?
Wir in der Familie sehen in der Anlage einen Beitrag zur Energiewende. Deshalb planen wir gerade auch die Stilllegung unseres gasbetriebenen BHKW, das derzeit noch ca. 2.400 qm Produktions- und Bürofläche beheizt. Künftig wollen wir die Wärme aus dem Fluss gewinnen und zusammen dann, mit einer Wärmepumpe, emissionsfrei alle Flächen beheizen.
Helene und Roland Limmer
Januar 2025
Kunstmühle Dachsbach im Landkreis Neustadt/Aisch
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Im Salbuch des Burggrafentums Nürnberg aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist die Existenz der Dorfmühle als Mahl- und Schneidmühle belegt. Wie auf der Neustädter Kohl-Mühle wurden auch auf der Dachsbacher Mühle zeitweise Münzen geprägt. Im 30jährigen Krieg, musste bei Aufstellung der schwedischen Truppen entlang der mittleren Aisch, nach der Schlacht an der Alten Veste 1632, die Mühle zu Dachsbach die Brigade des Königs, versorgen. Zwei Jahre später war die Mühle völlig zerstört. Der neue Besitzer Georg Schmidt ließ 1675 die Gebäude renovieren. 1802 übernahm Adam Schmidt, die inzwischen baufällig gewordene Mühle, ließ das Mühlengebäude abreißen und das noch heute stehende stattliche Mühlen- und Wohngebäude errichten. Nach einigen Besitzerwechseln erwarb 1900 der Dachsbacher Färbersohn Karl Auer die Mühle, ersetzte 1919 das alte Mühlrad durch eine Francis-Turbine. 1956 wurde das gesamte Anwesen vom Müllermeister Willi Oswald erworben, woraufhin der Umbau der Turbine vom Stirnrad-Betrieb zum Ölbadgetriebe erfolgte. Die beiden Francis-Turbinen trieben sowohl die Mühle als auch Generatoren an, die die Mühle mit Strom versorgte. 1990 erfolgte die Einstellung des Mahlbetriebs. 2002 erfolgte die Versteigerung des Anwesens.
Aktuell: Durch die neue Eigentümerfamilie Wieland wurden seit 2002 unter anderem die zwei Francis-Turbinen generalsaniert, ein Fischaufstieg zur Sicherstellung der ökologischen Durchgängigkeit im Aischabzweig Hallerbach (ca. 500 oberhalb der Mühle) errichtet und die Generatoren durch effiziente Asynchrongeneratoren und neuen Getrieben ersetzt.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Die vorhandenen beiden Turbinen haben zusammen ein Gesamtschluckvermögen von ca. 2,5 m³/s, eine Fallhöhe von 1,80 m und eine maximale Gesamtleistung von 33 kWpeak. Die Wasserkraftanlage erzeugt annähernd kontinuierlich und somit grundlastfähig jährlich ca. 160.000 kWh Strom plus Eigenverbrauch. Eine Turbine bzw. ein Wassergang ist mit einem automatischen Rechenreiniger ausgeführt. Auf dem Wasserkraftgebäude ist eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 18,5 kW peak installiert, welche den Jahresertrag von ca. 15.000 kWh direkt ins öffentliche Netz einspeist.
· Welche ökologischen Maßnahmen haben Sie am Wasserkraftwerk angesetzt?
Eine sogenannte „Rauhe Rampe“ wurde im Aischabzweig Hallerbach (ca. 500 m oberhalb der Wasserkraftanlage) seitens der Eigentümer der Mühle ausgeführt und stellt seitdem die Durchgängigkeit für die Flussbewohner sicher. Des Weiteren ist im Mühlenanwesen eine 80 kW Hackschnitzelheizung installiert, die insgesamt 12 Familien im Umgriff des Anwesens mit klimaneutraler Wärmeenergie versorgt.
Wasserkraftanlagen Wirth – Egloffstein
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Wir betreiben zwei Wasserkraftanlagen in Egloffstein. Zum einen die Turbine auf dem Gelände unserer Pension Mühle, zum anderen ein Wasserrad am nördlichen Ortseingang.
Dieses Wasserrad wurde vor rund 18 Jahren als Neuanlage errichtet und wird heute von einer Eigentümergemeinschaft betrieben. Die Turbine befindet sich direkt auf unserem Grundstück und ist Teil der langjährigen Geschichte unseres Hauses.
· Könnten Sie etwas über die Geschichte Ihres Kraftwerks erzählen?
Die Wasserkraftanlage auf dem Gelände der heutigen Pension Mühle hat eine lange Tradition: Bis 1914 trieben zwei Wasserräder an dieser Stelle eine Mühle und ein Sägewerk an, ehe sie durch eine Turbine ersetzt wurden. Die Mühle wurde erstmals 1670 urkundlich erwähnt.
Im Jahr 1929 erwarb mein Großvater das Areal, seitdem lebt unsere Familie an diesem Ort. Der Mühlenbetrieb wurde 1972 eingestellt. Heute führen wir eine Pension mit Gästezimmern – ganz im Sinne meiner Großmutter, die bereits früher Zimmer vermietet hatte. Die Bäckerei mit Café betreibt mein Bruder weiter.
Die Wasserkraft wurde nicht aufgegeben: Im ehemaligen Mühlgarten steht heute das Turbinenhaus, das zusammen mit dem Wasserrad am Ortsteingang jährlich durchschnittlich 240.000 kWh Strom erzeugt. Etwa ein Drittel des erzeugten Stroms nutzen wir selbst, vor allem für den Betrieb der Pension, der Rest wird ins öffentliche Netz eingespeist.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Im Zuge der Errichtung des neuen Wasserrads wurde großer Wert auf ökologische Aspekte gelegt: Ein Fischpass sorgt für die Durchgängigkeit des Fließgewässers und ermöglicht die ungehinderte Wanderung. Auch an der bestehenden Turbinenanlage im Ort wurde nachträglich ein Fischaufstieg installiert – unmittelbar neben dem Café und dem Gästegarten. So fließt heute ein naturnah gestaltetes, durchwanderbares Gewässer direkt an den Gästen vorbei und schafft eine harmonische Verbindung von Technik, Natur und Gastlichkeit.
Besonders stolz ist die Familie auf ihre nachhaltigen Innovationen und technischen Pionierleistungen. Bereits 1991 meldete der Vater das Gewerbe für die erste Stromtankstelle Bayerns – betrieben mit 100 % grünem Strom aus Wasserkraft – an. Zeitgleich wurde ein Verleihsystem für E-Bikes ins Leben gerufen – ein bemerkenswert zukunftsweisendes Konzept zu einer Zeit, als Elektromobilität noch in den Kinderschuhen steckte.
· Welche Bedeutung hat die Wasserkraft und die Anlage für Sie persönlich?
Für mich ist es ein besonderes Gefühl, den Strom, den wir täglich nutzen, direkt am eigenen Haus zu erzeugen – sauber, nachhaltig und verlässlich. Die Wasserkraft begleitet unseren Alltag, sie ist ein Teil unseres Lebens. Ihr großer Vorteil liegt in ihrer Grundlastfähigkeit: Sie liefert Tag und Nacht zuverlässig Energie – unabhängig von Sonne oder Wind.
Mein Wunsch ist es, dieses Potenzial noch stärker zu nutzen und weiter auszubauen. Leider wird oft vergessen, dass die Wasserkraft über ein Jahrhundert lang die wichtigste Energiequelle in unserer Region war. Sie hat unsere Heimat geprägt, unsere Betriebe angetrieben und die Entwicklung des ländlichen Raums maßgeblich beeinflusst.
Schon in unserer Kindheit hatten wir einen engen Bezug zum Wasser. Wir kannten die Tiere am Bach – die Bachstelze zum Beispiel war für uns ganz selbstverständlich. Dieses Wissen und die Wertschätzung für die Natur haben wir über die Jahre bewahrt. Was mich an der Wasserkraft besonders fasziniert: Sie fügt sich harmonisch in die Landschaft ein und arbeitet im Einklang mit ihrer Umgebung – leise, beständig und umweltfreundlich. Genau das macht sie für uns so wertvoll.
Regelmäßig bietet Herr Wirth auch Führungen zur Mühle und Wasserkraft an. Aktuelle Termine sind über die Tourismusseiten www.trubachtal.com oder www.egloffstein.de zu ersehen
Michael Wirth
Mai 2025
Wasserkraftwerk Pichler Lenggries/Fleck
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Unsere Kraftwerksstandort geht zurück auf die Zeit vor 1800. Eine durch ein Hochwasser zerstörte Sägemühle in Anger war Ausgangspunkt, um einen neuen Standort zu suchen. In Fleck fand sich der beste Standort dafür. Der damalige Besitzer Baron Carl von Eichthal, königlicher Kämmerer, Schloß- und Gutsbesitzer in Hohenburg wollte hier eine große Sägemühle mit drei gußeisernen Gängen (Sägegatter) bauen. Für dieses Bestreben kaufte er 1862 zusätzlich die bestehende Leimermühle mit Säge, Mühle und Ölmühle (stand vormals ggü. der Flecker Schule). Das angrenzende Grundstück Kalkofen kaufte er ebenfalls am 1. Dezember 1862. Noch im selben Jahr war Baubeginn des Senkbaumes, des Mühlbaches zur Leimermühle und weiter zur neuen Sägemühle mit einer Gesamtlänge von 1,8 km. Der Neubau wurde an der Stelle errichtet, wo sich jetzt das Fabrikgebäude an der B13 befindet. Durch Baron von Eichthals langen Arm nach München bekam er die Zustimmung für die Wasserausleitung aus der Isar. Die Isar führte zu dieser Zeit 30-40 m³/s, die Ausleitung von 7,6m³/s war ohne weiteres zu verkraften. Die 7,6m³/s waren eine gerades Maß und ergaben sich aus der damaligen Maßeinheit.

Diese neue moderne Sägemühle wurde von vielen Besuchern dieser Branche besichtigt, die sich viele Anregungen mit nach Hause nahmen. Der Krieg 1866 war ausschlaggebend für einen Besitzerwechsel in Hohenburg. Schloß Hohenburg wurde von Baron von Eichthal verkauft, die Sägemühle und die Leimermühle ging 1870/1871 an einen Holzhändler (Herr Götz) aus Saarbrücken. Herr Götz begann mit der Papiererzeugung in der oberen Mühle. In der unteren Mühle wurde mit der Pappenerzeugung, mittels Holzschliff, begonnen. 1885 kaufte ein Herr Schopfer beide Fabriken, die dieser aus finanziellen Gründen um die Jahrhundertwende verkaufen musste. Die drei Brüder Weidert erwarben die zwei Fabriken. 1905 brannte die untere Säge ab.
1909 erfolgte der Wiederaufbau einer modernen Pappenfabrik mit Turbinenhaus und Schleiferei für die Pappenerzeugung (das enstpricht dem heutigen Bauwerk). Nach dem zweiten Weltkrieg konnten die kleineren Papierfabriken dem wirtschaftlichen Druck nicht standhalten. Aus diesem Grund wurde die Anlage 1953 erneut verkauft. Der Kartonagenfabrikant Emil Stahl (München/Nürnberg) baute die Kartonagenerzeugung weiter aus. Sein Enkel Rudolf Stahl verkaufte die 1977 die stillgelegte Papierfabrik mit der Wasserkraft an Georg Pichler. 2004 übernahm sein Sohn Eberhard Pichler die mechanische Fertigung mit der Wasserkraft. Das Kraftwerk wurde komplett erneuert und die Leistung nahezu verdoppelt. Für Eberhard Pichler ist die Wasserkraft ein Herzensanliegen.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Unser Kraftwerk erzeugt ca. 3.800.000 kWh/Jahr. Mittels Turbine und Generator wird die Kraft des Wassers in Strom umgewandelt. Die Energiemenge wird ausschließlich vom Höhenunterschied zwischen Ein- und Auslauf des Kraftwerks und der nutzbaren Wassermenge bestimmt. Beim Wasserkraftwerk in Fleck besteht ein Höhenunterschied von fast 8 Metern bei einer maximalen Wassermenge von 7,6 cbm, das sind 7.600 Liter pro Sekunde
· Die Einzelstationen zur sauberen Stromerzeugung im Überblick
Station 1:
Am Flecker Wehr wird Wasser aus der Isar in den Kanal ausgeleitet. Am nördlichen Ende von Fleck fließt das Wasser wieder der Isar zu.

Station 2:
Auf einer Länge von rund zwei Kilometern fliesst das Isarwasser durch den Kanal, auch „Mühlbach“ genannt.

Station 3:
Der Zulauf zur Turbine im Rohbau vor dem Einbau der Rechenstäbe. Knapp zu erkennen ist die Überlaufkante, über die alles Schwemmgut, was nicht durch die Rechenstäbe passt (Stababstand = 2 cm), abgeschwemmt wird.

Station 4:
Der Zulauf zur Turbine im fertigen Zustand. Das rote Rohr und die Zahnstangen sind Teil des Rechenreinigers, der sich unter dem Wasserspiegel befindet.

Station 5:
Das Maschinenhaus mit Ober- und Unterwasser.

Station 6:
Mündung des Kanals in die Isar am nördlichen Ortsende von Lenggries-Fleck.

E-Werke Haniel in Haimhausen im Landkreis Dachau a. d. Amper
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
„1893 erbaute mein Urgroßonkel James Eduard Haniel das erste Wasserkraftwerk im Schlosspark in Haimhausen. Dafür wurde der Mühlbach im Park nach Süden verlegt“, erzählt Andrea von Haniel, die das Familienunternehmen in vierter Generation leitet. Die Stromerzeugung diente zu dieser Zeit primär dem privaten Verbrauch. 1908 schloss die Familie Haniel einen Vertrag mit der Gemeinde Haimhausen und lieferte Ökostrom für das gesamte Gemeindegebiet. 1950 wurde ein zweites Wasserkraftwerk an der Marienmühle gebaut und das Stromnetz der E-Werke Haniel an das Netz der Isar-Amper-Werke angeschlossen. 1988 entstand am Hirschgang im Ortsteil Ottershausen ein modernes überflutetes Wasserkraftwerk.
1998 übernahmen die Schwestern Andrea und Henriette von Haniel die E-Werke und errichteten 2016 mit einer kleinen Wasserkraftschnecke am Schwebelbach das vierte und bislang letzte Kraftwerk. „Unsere Vision ist es, unsere Kunden, wie bereits bis 1950, in ganz Bayern mit selbst erzeugtem 100% Ökostrom zu beliefern und unser Engagement für neue Umweltprojekte weiter fortzusetzen“
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Das erste E-Werk am Schlosspark erzeugt bereits seit 1893 emissionsfrei und kontinuierlich ca. 1.000.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Dafür sind zwei Francis-Turbinen über eine Welle miteinander verbunden. Die vorhandenen Turbinen haben eine Ausbauleistung von je 85 kW bei einer Fallhöhe von 2 m. Die Drehzahl liegt bei 75 U/min. Im zweiten E-Werk an der Marienmühle liefert eine Ossberger Walzenturbine eine Jahreserzeugung von ca. 350.000 Kilowattstunden. Sie hat eine Ausbauleistung von 63 kW bei einer Fallhöhe von 2,6 m und einer Drehzahl von 77 U/min. Das dritte E-Werk am Hirschgang leistet ca. 3.000.000 Kilowattstunden pro Jahr. 2 Kaplan-Rohrturbinen mit einer Ausbauleistung von je 250 kW laufen bei einer Fallhöhe von 2,33 m und einer Drehzahl von 130/500 U/min. Die Wasserkraftschnecke schließlich erzeugt mit ihren 9 kW ca. 70.000 kWh / Jahr. „Somit haben wir in einer Ortschaft mit 5.500 Einwohnern vier Wasserkraftanlagen mit vier verschiedenen Turbinenarten“, berichtet Andrea von Haniel.
· Welche ökologischen Maßnahmen haben Sie am Wasserkraftwerk angesetzt?
100% Ökostrom heißt für uns, dass wir den Fluss nicht als reine Energiequelle betrachten. Wir tragen ökologische Verantwortung, deswegen haben wir umfangreich in Durchgängigkeitsmaßnahmen investiert. Wir haben, unterstützt durch die Fischerfreunde Haimhausen und das Wasserwirtschaftsamt München, an zwei entscheidenden Stellen des Amper- Fluss-Systems Fischtreppen errichtet und einen natürlichen Nebenarm der Amper wieder ertüchtigt.
Außerdem haben wir bereits 2011 ein Biotop am Mühlbach entwickelt. An einem verlandeten Seitenarm des Mühlbachs haben wir das ursprüngliche Bachbett wieder vertieft und einen Teich angelegt, der mit dem Mühlbach verbunden ist. So trocknet dieser Seitenarm im Sommer nicht mehr aus. Viele einheimische Pflanzen und Tiere, darunter das einheimische Schilf, Frösche und Jungfische finden wieder Lebensraum in Haimhausen.
Die Kraftwerke des E-Werke Haniel im Überblick
(in Klammern: Jahr der Inbetriebnahme)
EW 1 (1893): 2 Francis-Turbinen mit je 85 kW – 1 Mio kWh
EW 2 (1950): Ossberger Walzenturbine mit 63 kW – 350.000 kWh
EW 3 (1988): 2 Kaplan Rohrturbinen mit je 250 kW – 3 Mio kWh
EW 4 (2016): Wasserkraftschnecke mit 9 kW – 70.000 kWh
Kraemer’sche Kunstmühle – München
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Unser Kraftwerk steht am Auer Mühlbach in München/Giesing. Dieser fließt aus dem Isarkanal, durch den Tierpark Hellabrunn, am Landtag vorbei und wieder zurück in die Isar. Der Auer Mühlbach ist ein Kanal, d.h. wir haben konstant 10m³ Wasser in der Minute, zum Glück nie Hochwasser und im Sommer auch keine Trockenheit. Mit der Francisturbine werden bei 1,7m Nutzungsgefälle im Jahr ca. 1.000 MWh Strom produziert. Alle zwei Jahre steht die Anlage während einer 14-tägigen Bachauskehr still und wird komplett überholt.
Einst trieb die Turbine über Transmissionen die Maschinen unserer Mühle direkt an. Später diente sie dann der Stromerzeugung mittels eines Generators. Nachdem der Mühlenbetrieb 2007 stillgelegt wurde, baute unsere Familie das Gebäude zu seiner heutigen gewerblichen Nutzung um. Dies machte notwendig, dass das alte sehr laute Getriebe ausgebaut und durch ein Leiseres ersetzt wurde, das auf Schalldämpfern gelagert ist.
Früher verkauften wir den Strom komplett an die Münchner Stadtwerke. Inzwischen zweigen wir vorab einen größeren Teil für die Eigennutzung ab. So betreiben wir z.B. seit 2022 unsere eigene öffentliche Ladesäule.
· Könnten Sie etwas über die Geschichte Ihres Kraftwerks erzählen?
Im Jahre 1863 kaufte unser Ururgroßvater Carl Jakob Kraemer die damalige, weit vor den Stadttoren Münchens liegende, Papiermühle. Diese wurde 1701 an einer Stromschnelle des Bachs errichtet. Um das rapide wachsende München mit Mehl zu versorgen, wandelte Carl Jakob die Papier- in eine Getreidemühle um. Die damals einzig zur Verfügung stehende Energie war die des Wassers. Da die alten Wasserräder nicht mehr für den Betrieb einer Getreidemühle ausreichten, baute man gleich zu Beginn drei Jonval-Turbinen ein. 
1944 zerstörten Fliegerangriffe das Mühlengebäude mitsamt der Turbine komplett. Doch schon 1949 konnte die Anlage mit dem neuen Laufrad der Firma Voith eingeweiht werden. Unser Chronist beschrieb diesen besonderen Moment so: „Eines wunderschönen Maitages sollte die neue Turbine dann zur Probe anlaufen. Es mutete fast feierlich an, als nach kurzen Vorbereitungen die Schützen gezogen wurden und das Wasser rauschend in die Turbinenkammer einströmte. Langsam und fast lautlos, mit verblüffender Leichtigkeit und Präzision, begannen sich die Räder zu drehen und binnen weniger Sekunden bereits befand sich das große Schwungrad, dem allein die Kraftübertragung nach dem Mahlwerk zufiel, auf Hochtouren.“
· Welche Bedeutung hat die Wasserkraft und die Anlage für Sie persönlich?
Es gab die Überlegung, unseren Turbinenraum mit einem großen abstrakten Gemälde zu verschönern. Am Ende kamen wir auf einen anderen, viel naheliegenderen Gedanken: Im Mittelpunkt sollte das eigentliche Kunstwerk stehen, nämlich die Technik der Turbinenanlage selbst. So wollten wir die tief verbundene Wertschätzung gegenüber unserer Anlage ausdrücken. Wir befreiten die Anlage von optisch störenden silbernen Kabelkanälen, strichen Fensterrahmen, Wände und Boden und setzten die pure Technik durch eine entsprechende Beleuchtung ins richtige Licht. Jetzt erfreuen wir uns bei jedem täglichen Kontrollgang an der schönen Anlage, dass sie Tag und Nacht läuft und absolut nachhaltigen Strom produziert. Dass dieser saubere Strom auch eine zuverlässige Einnahmequelle darstellt, soll nicht verschwiegen werden.
Aber die Turbine ist nicht nur eine Quelle der Freude. Das Wasser flößt uns durch seine ungestüme Energie auch Respekt ein. Bei einer Störung fährt die Anlage automatisch herunter und informiert uns per Handy. Um beruhigt zu sein, fahren wir immer vor Ort, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Nach einer Störung oder der Bachauskehr ist es dann das schönste Gefühl, wenn die Anlage wieder stabil läuft und mit einem lauten Klackern ans Netz geht.
Klemens und Markus Kraemer
Dezember 2024
E-Werk Heinkelmann – Maineck
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Die Wasserkraftanlage Heinkelmann liegt etwa 6 km südöstlich von Altenkunstadt im Landkreis Lichtenfels. Ursprünglich bestand die Anlage aus zwei unabhängig betriebenen Triebwerksanlagen mit einer mittig gelegenen Floßgasse.
· Könnten Sie etwas über die Geschichte Ihres Kraftwerks erzählen?
Die Geschichte unseres Kraftwerks reicht weit zurück. Ursprünglich diente die Wasserkraft dem Antrieb einer Mahlmühle und einer Schneidsäge, später einer Malzfabrik. Die Anlage besteht seit unvordenklicher Zeit und verfügt über ein anerkanntes, unwiderrufliches Wasserrecht.
Unser Triebwerk nutzt das Wasser nach dem Zusammenfluss von Rotem und Weißem Main. Während das Triebwasser der Mühlturbinen über einen langen Unterwasserkanal von ca. 300 m Länge wieder dem Main zugeführt wird, wird das Triebwasser der ursprünglichen Sägeturbine direkt am längsangeströmten Wehr mit 75 m Breite wieder dem Main-Mutterbett zugeleitet. Das Eichpfahlprotokoll stammt von 1857, der Einbau der ersten Turbinen erfolgte 1910. Die ehemalige Mühle besteht seit 1762 und wurde bis 1974 über Generationen betrieben.
Heute befinden sich 3 Francis-Turbinen in den Gebäuden, die eine Anschlussleistung von insgesamt ca. 145 kW haben.
· Können Sie etwas zu den technischen und ökologischen Ertüchtigungssmaßnahmen sagen?
In den Jahren 1991/1992 wurde das Kraftwerk einer umfassenden Modernisierung unterzogen. Dabei wurden Asynchrongeneratoren mit Voith-Stirnradgetrieben eingebaut. Zudem wurde 1991 ein neuer Rechenreiniger installiert. Im Jahr 2012 erfolgte die Errichtung eines Fischpasses, um die Durchgängigkeit für Wasserlebewesen zu verbessern.
· Welche Bedeutung hat die Wasserkraft und die Anlage für Sie persönlich?
Die Anlage ist für uns mehr als nur ein Kraftwerk – sie ist unser Lebensunterhalt und ein Stück Familientradition. Dank der eigenen Stromproduktion leben wir hier größtenteils energieautark und betreiben zum Heizen eine Wasserwärmepumpe.
Die größte Herausforderung war der plötzliche Tod der Eltern in jungen Jahren. Den Weiterbetrieb des Kraftwerks zu sichern, bedeutete nicht nur eine technische und wirtschaftliche Aufgabe, sondern auch eine persönliche Verantwortung, um das Erbe der Familie fortzuführen. Heute erfüllt es uns mit Stolz, dieses Werk weiterzuführen und einen Beitrag zur regionalen, erneuerbaren Energieversorgung zu leisten.
Lisa Heinkelmann und Roland Groh
Februar 2025
Elektrizitätswerk Promberger in Schönhofen im Landkreis Regensburg
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Meine Familie, bestehend aus meiner Frau meinen beiden Söhnen und mir, bewirtschaften ein kleines Anwesen im idyllischen Tal der Schwarzen Laber mit 5 ha Wald, 5 ha Felder und Wiesen im Nebenerwerb.
Auf dem Anwesen im Landkreis Regensburg betreiben wir außerdem ein Wasserkraftwerk mit einer Spitzenleistung von 40 kW. Hiermit erzeugen wir, neben den Strom den wir für den eigenen Betrieb benötigen, noch ca. 250.000 kWh im Jahr. Immerhin könnten hiermit zusätzlich um die 50 – 60 Haushalte versorgt werden. Die CO2 Einsparung alleine aus unserem Wasserkraftwerk beläuft sich auf etwa 220 t im Jahr.
Die Wasserkraftnutzung auf unserm Hof geht bereits auf das 15.Jahrhundert zurück. Bereits seit dieser Zeit wird die Wasserkraft, anfangs zum Schmieden von Werkzeugen, später zum Schleifen von Glas und die letzten 100 Jahre zur Stromerzeugung, zur Energienutzung herangezogen. Wir sind leidenschaftliche Wasserkraftwerksbetreiber und wollen es auch in Zukunft bleiben.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Die Stromerzeugung aus Wasserkraft liefert einen wesentlichen Beitrag zur Netzstabilität. Das ist eine der überlegensten Stärken, die wir aufweisen können. Durch den technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte konnte dieser Vorteil noch besser herausgearbeitet werden. So haben auch wir in der Vergangenheit in einen Generator mit hohem Wirkungsgrad, eine moderne Wasserstandregelanlage und nicht zuletzt in einen vollautomatischen Rechenreiniger investiert. Ein bei Hochwasser automatisch angesteuerter Wehrablass leistet sogar Hochwasserschutz. Die Reinigung des Gewässers von Unrat und Müll ist ein positiver Nebeneffekt, den die Wasserkraftbetreiber ganz umsonst übernehmen.
· Welche ökologischen Maßnahmen haben Sie am Wasserkraftwerk angesetzt?
Eine bereits 2008 gebaute Fischauf- und Fischabstiegsanlage leistet einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Fischpopulation. Das dadurch abgegebene Restwasser in den Altbach gewährleistet auch dort besten Lebensraum für traditionelle Flussbewohner. Zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Regensburg und dem ansässigen Fischereiverein, dem 1. Regensburger Anglerclub, versuchen wir ständig den Flusslauf vor und nach unserem Wasserkraftwerk zu verbessern und in einem guten Zustand zu erhalten. Ein im Jahr 2014 neu eingebauter Rechen mit einem Rechenabstand von 15 mm sorgt für bestmöglichen Fischschutz.
Ehemalige Mühle Oppel in Schottenstein im Landkreis Coburg
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Mein müllerischer Stammbaum reicht bis zum Jahr 1750 zurück – alles Müller. Auf der Schottensteiner Mühle sind wir in der 5. Generation. Meine Söhne werden die Wasserkraft weiter betreiben. Ich bin der letzte Müllermeister. Mit der Wasserkraft bleibe ich mein Leben lang verbunden. Meine Arbeit im Vorstand vom LVBW macht mir auch mit 78 noch Freude.
Mein Urgroßvater hat kurz vor 1900 die damalige Mühle in Schottenstein an der Itz im Landkreis Coburg erworben. Ein Wasserrad mit 7 Meter Durchmesser trieb die Mühle an. Ein kleineres die Ölmühle. Kurz nach 1900 hat mein Großvater bereits mit einem Gleichstromgenerator Lichtstrom für die Eigenversorgung erzeugt. 1942 wurden die Wasserräder durch eine Francisturbine ersetzt. 1985 bauten wir zusätzlich eine Reiffensteinturbine ein.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Wir erzeugen grundlastfähige Energie ohne Rohstoffverbrauch, ersparen der Umwelt ca. 350 t Schadstoffe und reinigen den Bach von Unrat und Wohlstandsmüll und erzeugen jährlich klimaschonend ca. 350 000 kWh Strom plus Eigenverbrauch. Dazu eine Fotovoltaikanlage auf dem Scheunendach. Wir erzeugen Strom direkt beim Verbraucher. Er muss nicht auf weitem Weg mit Spannungs- und Umspannungsverlusten transportiert werden. Ein automatischer Rechenreiniger erleichtert uns die Arbeit. Die vorhandenen Turbinen haben eine maximale Leistung von 80 kW bei einem Schluckvermögen von 6 m³ und einer Fallhöhe von 2,20 m. Eine Sonderstellung nimmt die Reiffensteinturbine ein. Eine vollautomatische speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) reguliert den Wasserstand und wird von einer ebenfalls pegelgesteuerten Fischbauch-Wehrklappe und einer ziehbaren Schütze unterstützt. Dies dient dem Hochwasserschutz.
· Welche ökologischen Maßnahmen haben Sie am Wasserkraftwerk angesetzt?
Unser Wasserkraftwerk hat immer in Durchgängigkeitsmaßnahmen investiert. Eine Turbine, sehr fischfreundlich, ohne Leitschaufeln. Eine Fischauf- und -abstiegsanlage gewährleistet die Durchgängigkeit für die Bachbewohner und sichert das Restwasser im Fluss. Unser Sohn beheizt sein neues Wohnhaus mit einer Wärmepumpe und gewinnt die Wärmeenergie direkt aus der Itz. So liefert der Bach neben umweltfreundlichem Strom auch die Wärme für sein Haus.
Reportage (pdf) aus dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt
Elektrizitätswerk Schweiger aus Schwaig im Landkreis Erding
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Die Wasserkraft in Schwaig wurde als Aulechnermühle aus der Zeit von 1231-1237 das erste Mal urkundlich erwähnt. Nachdem 1897 die Kunstmühle abbrannte, entstand auf dem Grundstück eine Tuch- und Lodenfabrik, in der ca. 150 Personen Arbeit fanden. 1906 schloss der Mühlenbesitzer und spätere Käufer der Lodenfabrik, Josef Schweiger, mit der Gemeinde Oberding den ersten Stromliefervertrag. Seitdem hat die Wasserkraft noch zwei Weltkriege überstanden und versorgt das Gemeindegebiet als Elektrizitätswerk Schweiger sicher, zuverlässig und krisenfest mit elektrischer Energie.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Bei der Wasserkraft handelt es sich um eine über viele Jahrzehnte ausgereifte und bestens bewährte Technologie. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung des Versorgungsgebietes der Gemeinde Oberding besitzt die grundlastfähige Wasserkraft zudem ein erhebliches systemisches Innovations- und Entwicklungspotenzial.
Um eine gleichzeitig klimaschonende, versorgungs- und krisensichere (Notstromversorgung) sowie effiziente bzw. bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten, stellt das Wasserkraftwerk in Schwaig eine effektive Kombination aus altbewährter Tradition und innovativer, zukunftsweisender Erneuerung dar.
· Welche ökologischen Maßnahmen haben Sie am Wasserkraftwerk angesetzt?
Das Wasserkraftwerk in Schwaig hat durch den Bau einer Fischaufstiegsanlage die Durchgängigkeit geschaffen. Gemäß dem Wasserkörpersteckbrief des Bayerischen Landesamtes für Umwelt LfU weist die Dorfen in diesem Bereich der Gewässerstrecke ökologisch und biologisch einen guten Zustand auf.
Zur Sicherung der an der Dorfen gelegenen Ortschaft Schwaig gegen Hochwasserschäden ist das Wasserkraftwerk in das Hochwasserschutzmanagement der Gemeinde Oberding eingebunden. Das Betriebspersonal steht Tag und Nacht für eine schnelle und professionelle Steuerung der Entlastungsanlagen über die parallel zur Dorfen im Erdinger Moos fließende Gfällach als Vorfluter bereit.
Kunstmühle Haslach – Getreidemühle mit Wasserkraft – im Landkreis Traunstein
· Können Sie sich und Ihr Kraftwerk kurz vorstellen?
Die Haslacher Mühle wurde 1412 erstmals urkundlich erwähnt und sie gelangte nach etlichen Besitzerwechseln im Jahr 1880 in die Hände der Müller-Familie Gfaller, die sie nunmehr in 5. Generation betreibt.
Seit jeher treibt das Wasser der Traun ihr Mahlwerk im 1927 errichteten Gebäude an. 1938 erhielt sie die erste Francis-Turbine, die seit 1966 elektrischen Strom in das Netz der Stadtwerke Traunstein einspeist.
Im Jahr 2012 bekam Hans Gfaller die Bewilligung für ein zweites Kraftwerk, das in einem Bypass parallel zum ersten betrieben wird. Somit ist eine zuverlässige Versorgung der Mühle mit klimafreundlich erzeugtem Strom das ganze Jahr über rund um die Uhr sichergestellt. Ein bedeutender Teil der erzeugten Energie wird ins örtliche Stromnetz eingespeist und leistet, weil grundlastfähig, einen wertvollen Beitrag zur regionalen Stromversorgung.
· Welche technischen Vorzeigewerte und regionale Besonderheiten hat Ihr Kraftwerk?
Die zweite Anlage entstand durch Zusammenschluss des Traunsteiner und Haslacher Mühlbachs. Beide Anlagen, die bewährte Francis-Turbine und die neue drehzahlvariable DIVE-Turbine, sind vernetzt und arbeiten entsprechend ihrer Wirkungsgrad-Kurven parallel und leistungsoptimiert. Zusammen mit fünf weiteren Wasserkraftwerken sind sie in den funktionstüchtigen Hochwasserschutz Traunstein-Süd eingebunden.
Der bayerische Umwelt-Minister Marcel Huber sprach bei der Einweihung von einer 4-fachen Win-Situation:
- Ein Querbauwerk wurde entfernt, weil zwei Bäche zusammengeschlossen worden sind, was zu erheblicher Kosteneinsparung durch deutlich niedrigere Deich-Bauwerke geführt hat.
- Neu errichtete Biotope sind ein Paradies für Biber, Frösche und Vögel, Flachwasserzonen laden zum Baden ein.
- Ein Fischaufstieg am Seiboldsdorfer Wehr hat die Durchgängigkeit der Traun in der Ausleitungsstrecke hergestellt.
- Zwei neue Wasserkraftwerke mit zusammen 280 kW Leistung wurden errichtet. Der gesamte Bach liefert seit 2012 zuverlässig mit 1000 kW installierter Leistung jährlich 5.000.000 kWh saubere, CO²-freie Energie für 1500 Haushalte.
· Welche ökologischen Maßnahmen haben Sie am Wasserkraftwerk angesetzt?
Im Jahr 2014 haben die Triebwerksbetreiber in einem gemeinschaftlichen Projekt das Seiboldsdorfer Wehr saniert, egalisiert und mit selbsttätig regelnden Schleusen versehen, die das vorgeschriebene Stau-Ziel, den Geschiebetransport und die Beaufschlagung der Fischtreppe sicherstellen. Eine bewegliche Stauklappe regelt den Abfluss der kleinen und mittleren Hochwässer und schützt die angrenzende Flächen und Verkehrswege vor Überflutung. Wir entfernen den Wohlstandsmüll, den manche Mitbürger in den Bach entsorgen, und verbessern somit die Wasserqualität. Mit den Fischereiberechtigten pflegen wir ein konstruktives Vertrauensverhältnis und als Nutzer dieser umweltfreundlichen Energieform legen wir großen Wert auf die Gesunderhaltung unserer Fließgewässer. Dazu gehört auch, dass wir rund um die Uhr für einen ordnungsgemäßen Betrieb unserer Anlagen bereit stehen.








